15 Nov

L. Der Literaturbote 2013

Mit aktuellen Gedicht­en vertreten in der Novem­ber­aus­gabe der renom­mierten Lit­er­aturzeitschrift L. des Hes­sis­chen Lit­er­atur­büros.

(Vor)Bestellung möglich unter Hes­sis­ches Lit­er­atur­fo­rum im Mouson­turm.

Heft 111 – November 2013 — In der Mitte von allem

Liebe Leserin­nen und Leser,
„Hes­sen“, hat der unvergessene Matthias Beltz ein­mal gesagt, „ist umzin­gelt von lauter Deutschen, hat keinen direk­ten Zugang zum Meer, zu den Alpen und zum Aus­land und daher keinen Kon­takt zur Frei­heit.“ Wer wie wir von der Redak­tion des Lit­er­atur­boten in Hes­sen lebt, kön­nte über diesen Zus­tand des Lan­des manch­mal ganz melan­cholisch wer­den. Darum wollen wir mit dieser Aus­gabe unser­er Zeitschrift ver­suchen, etwas daran zu ändern. Etwa indem wir mit Eva Dem­s­ki dankbar fest­stellen, dass Hes­sen nicht nur in der Mitte von Deutsch­land liegt, son­dern „in der Mitte von Allem“.

 In Hes­sen hat der Name Horst Bin­gel, der in diesem Som­mer achtzig Jahre alt gewor­den wäre, immer noch einen ganz beson­deren Ruf. An den stre­it­baren und den­noch fried­fer­ti­gen Mach­er der „Stre­it-Zeit-Schrift“, an den Poet­en und Erzäh­ler wollen wir mit dem Abdruck einiger nachge­lassen­er Gedichte erin­nern. Dazu passen die Gedichte von Safiye Can, die, als Kind tscherkessis­ch­er Eltern, in Offen­bach für die Horst-Bin­gel-Stiftung sowie als Lyrik­erin und Über­set­zerin arbeit­et. Gün­ter Schwit­tais absurde Erzählstücke leg­en Zeug­nis von den komisch-sprö­den Charak­ter­an­teilen der Hes­sen ab, die sie von den Deutschen unter­schei­den. In Hes­sen, in Frank­furt wurde auch Siegfried Kra­cauer geboren. Er war nicht nur Jour­nal­ist, Filmthe­o­retik­er und Geschicht­sphilosoph, son­dern auch beg­nade­ter Erzäh­ler. Schau­platz viel­er Abschnitte in seinem Roman „Gin­ster“ ist Frank­furt; auch deshalb hat ganz Frank­furt im ver­gan­genen Früh­jahr den Roman gele­sen, den Rolf Wig­ger­shaus als Zeug­nis für Kra­cauers „Kun­st der ret­ten­den Desil­lu­sion­ierung“ deutet.
Also: Vielle­icht ger­ade weil Hes­sen „in der Mitte von Allem“ liegt, schot­tet es sich nach außen nicht ab. Ganz im Gegen­teil – „es legt ein lock­eres, fre­undlich­es Band“ „um alle (…), die bei sich bleiben dür­fen und wollen.“ Ein solch­es Band leg­en auch wir jet­zt um den Berlin­er Ralf Portel­lo, um Ulrike Schäfer aus Würzburg und um Rotraud Sark­er aus der Nähe von Lon­don. Und um alle, die noch kom­men mögen.
Und jet­zt kein Wort mehr über die Melan­cholie: „Der Novem­ber, jen­er Monat, der die Stadt gle­ich­sam entk­lei­det und in ihrer ganzen Schön­heit zeigt, ohne Ablenkung durch Blät­ter, Blüten und ähn­lich nut­zlos­es Bei­w­erk, ist zum Erler­nen der M. geeignet wie kein ander­er.“
Trotz­dem, liebe Leserin­nen und Leser: Wir wün­schen Ihnen einen fro­hge­muten Win­ter und schöne Feiertage!

Ihr Wern­er Söll­ner

Inhalt
Eva Dem­s­ki:
Meine erste Dich­terin. Inge­borg Bach­mann 1960
Zauber der Melan­cholie
In der Mitte von Allem – Hes­sen. Eine Reise

Horst Bin­gel: Sechs Gedichte
Rotraud Sark­er: Fünf Gedichte
Ulrike Schäfer: Späte Tage
Ralf Portel­lo: Sechs Gedichte
Safiye Can: Fünf Gedichte
Gün­ter Schwit­tai: Feininger, Konz­ern­salut
Rolf Wig­ger­shaus: Siegfried Kra­cauer und die Kun­st der ret­ten­den Desil­lu­sion­ierung
Junges Lit­er­atur­fo­rum Hes­sen-Thürin­gen
Moritz Gause: Wald­ster­ben. Rus­sis­che Gedichte
Stel­la M. Pfeifer: Klare Lin­ien
San­dra Klose: Drei Gedichte