27 Sep

Presseartikel Lauterbacher Anzeiger 2019

Fre­itag, 27.9.2019
Presse­bericht, Lauter­bach­er Anzeiger
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© Trau­di Schlitt

Gesellschaftvor 10 Stun­den0

Lyrik-Lesung an der AvH beeindruckt mit Sprachgefühl und AusdruckskraftDichte der Worte, Tiefe der Gedanken

LAUTERBACH (ol). „Lautschriften 2019“ – Unter diesem Titel ist vor kurzem ein Buch erschienen, das Werke junger Kün­st­lerin­nen und Kün­stler enthält, Werke von Schü­lerin­nen und Schülern, die diese unter fach­lich­er Anleitung im Rah­men eines Schul­pro­jek­tes erar­beit­en kon­nten. Den Auf­takt der frischen Autoren­rei­he machen elf junge Leute von der Alexan­der-von-Hum­boldt-Schule, die vor den großen Ferien gemein­sam mit der preis­gekrön­ten Lyrik­erin Safiye Can an fünf Nach­mit­ta­gen in der Lauter­bach­er Stadt­bücherei in Klausur gegan­gen sind, um ihren Gedanken, Ideen und Lebenswel­ten eine sprach­liche, eine lyrische Form zu geben.

Wie gut dies gelun­gen ist, davon kon­nten sich am ver­gan­genen Don­ner­stag die Zuhörerin­nen und Zuhör­er in der Aula der Alexan­der-von-Hum­boldt-Schule überzeu­gen: In ein­er Lyrik-Lesung tru­gen die Schü­lerin­nen und Schüler ihre Gedichte vor und begeis­terten ihr Pub­likum nicht nur mit ihrer Sprachge­wandtheit und ihrem Ideen­re­ich­tum, son­dern auch mit der Selb­stver­ständlichkeit und dem Selb­stver­trauen, mit dem sie vor die Gäste in der Aula trat­en.

Han­na Borchers (links) und Petra Scheuer stell­ten das Pro­jekt und das Buch vor. Alle Fotos: Trau­di Schlitt

Wir erin­nern uns in späteren Jahren niemals an den eigentlichen Unter­richt, son­dern immer nur an die High­lights unser­er Schulzeit“ – ein wahres Wort, mit dem Schullei­t­erin Git­ta Hol­loch die Lesung an ihrer Schule eröffnete. Und ein High­light war diese Lesung, gemein­sam mit den vie­len Wochen inten­siv­en lyrischen Schaf­fens, die ihr voraus­ge­gan­gen waren, auf jeden Fall. Eine Arbeitssi­t­u­a­tion außer­halb der Schule, frei­willig auf sich genom­men, und doch ohne Schule und engagierte Lehrkräfte nicht denkbar.

Hol­loch dank­te der hier­für ver­ant­wortlichen Deutschlehrerin Han­na Borchers, dass Sie die Anre­gung von Petra Scheuer, Lei­t­erin der Lauter­bach­er Stadt­bücherei, aufge­grif­f­en und den Schü­lerin­nen und Schülern des Gym­na­si­ums damit die Teil­nahme an dem Lyrik-Work­shop mit Safiye Can ermöglicht hat, die selb­st natür­lich auch zur Lesun­gen ihrer Lyrik-Schüt­zlinge nach Lauter­bach gereist war. „Man merkt den Gedicht­en an, wie sehr sie mit Herz, Hand und Ver­stand ent­standen sind“, so Hol­loch, die ein solch­es Pro­jekt, gepaart mit ein­er gelun­genen Abschlussver­anstal­tung, als „Leucht­turm im Schu­lall­t­ag“ beze­ich­nete.

Ges­pan­nt auf den lyrischen Abend in der Alexan­der-von-Hum­boldt-Schule warteten die Men­torin­nen und die Schü­lerin­nen und Schüler auf ihre Auftritte.

Ein unglaubliches Gespür für Sprache

Das Ini­tia­torin­nen-Team Han­na Borchers und Petra Scheuer ließ noch ein­mal die Wochen des Schaf­fens Revue passieren. „In dem Raum des Dichter-Clubs, dem ‚Esel­sohr‘ unterm Dach der Bücherei, sprang jedes Mal der Funke über“, berichtete Petra Scheuer, immer noch ganz ange­tan von der flir­ren­den, inspiri­erten Stim­mung der Gruppe, die sich gemein­sam mit Safiye Can in die Welt der Worte und Emo­tio­nen versenk­te. „In diesem Buch erleben wir die Dichte der Worte, die Tiefe der Gedanken und ein unglaublich­es Gespür für Sprache“, kündigte Petra Scheuer Buch und Lesung an, genau­so wie Han­na Borchers sichtlich stolz auf das Schaf­fen der 12- bis 18-Jähri­gen, die sich ganz ihrer poet­is­chen Nei­gung hingegeben haben.

Wir sind ins­beson­dere dem Hes­sis­chen Litar­tur­fo­rum außeror­dentlich dankbar, dass es sowohl das Pro­jekt als auch unseren Leseabend großzügig unter­stützt hat“, führte die Deutschlehrerin aus. „Unsere Dich­terin­nen und unser Dichter sind eine motivierte sta­bile Gemein­schaft gewor­den, mit dem Willen, das zu tun, was sie tat­en“, so Borchers, die hinzufügte, welch glück­liche Auswahl Safiye Can als Coach war: „Die Chemie stimmte von Anfang an.“ Schreiban­lass waren zwei Kurz­filme, die die Schü­lerin­nen und Schüler als Assozi­a­tion­s­grund­lage für ihre Werke nutzten. Ihre Gedanken bracht­en Sie unter der Leitung von Safiye Can zu Papi­er.

Coach, Lyrik­erin und Rez­i­ta­torin mit großer Ausstrahlung: Safiye Can.

Safiye Can, preis­gekrönte Lyrik­erin und Vor­standsmit­glied der Zeitschrift für Lit­er­atur, Kun­st und Kri­tik „die horen“, war voll des Lobes für ihre junge Dichter­schar. Sechs­mal reiste sie eigens aus Offen­bach an die Lauter und man kon­nte förm­lich spüren, wie sehr ihr die Schü­lerin­nen und Schüler in dieser Zeit ans Herz gewach­sen sind. „Lautschriften“ ist ein Pro­jekt des Hes­sis­chen Min­is­teri­ums für Wis­senschaft und Kun­st in Zusam­me­nar­beit mit dem Hes­sis­chen Lit­er­atur­fo­rum im Mouson­turm und dem Fis­ch­er Kinder- und Jugend­buchver­lag, stellte die Autorin das Pro­jekt vor. Vier Teams, vier Schulen, vier Autoren, vier Bib­lio­theken sind hes­sen­weit daran beteiligt.

Ich war jeden Moment begeistert von der Themenvielfalt, die sich entwickelt hat“

Ich war jeden Moment begeis­tert von der The­men­vielfalt, die sich entwick­elt hat“, blick­te Can zurück. „Wir haben geschrieben, redigiert, bear­beit­et, vorge­le­sen, kor­rigiert und gedruckt“, so Can, die auch die Zusam­me­nar­beit mit dem Fis­ch­er-Ver­lag lobend erwäh­nte. Dor­thin waren die Schü­lerin­nen und Schüler erst wenige Tage zuvor gereist, hat­ten sich im Lit­er­atur­fo­rum getrof­fen, den Ver­lag ken­nen­gel­ernt und die Regis­seurin eines ihrer Aus­gangs­filme getrof­fen. „Heute ist der let­zte Tag unseres Pro­jek­ts, nun trauern und feiern wir.“ Nacheinan­der lasen die Schü­lerin­nen und Schüler ihre Werke vor, Lennart Zink und Emelie Mithin, hat­ten zusät­zlich zwei Musik­beiträge für ihr Pub­likum mit­ge­bracht. Zink spielte zur Eröff­nung und Mithin gemein­sam mit Feli­cia Eisen­meier ein Inter­mez­zo, eine Art musikalis­ches Gedanken­spiel.

Sig­nieren am laufend­en Band: Die Büch­er des Lauter­bach­er Dichter-Clubs fan­den reißen­den Absatz.

Die Gedichte aller jun­gen Autorin­nen und Autoren, die nun vor ihr Pub­likum trat­en, sind so indi­vidu­ell wie die jun­gen Men­schen selb­st, eben­so wie ihre Art der Rez­i­ta­tion: Rhyth­misch, lebendig lesen die einen, ver­hal­ten, fast still die anderen – ganz so, wie es zu ihnen selb­st und zu ihren Werken passt. Ihre The­men sind Frei­heit und Fre­und­schaft, auch ver­gan­gene. Äng­ste und Sehn­süchte find­en ihren Aus­druck in kurzen oder län­geren Gedicht­en, die teil­weise Ansätze von visuellen Gedicht­en enthal­ten. Lebenswel­ten, Träume, famil­iäre Ver­flech­tun­gen – all das ver­pack­en die jun­gen Dich­terin­nen und Dichter in Worte voller Strahlkraft, die nach­hallen und die Ein­drücke noch lange in der Erin­nerung des Pub­likums fes­thal­ten.

Nach­dem die let­zte junge Lyrik­erin verk­lun­gen war, las Safiye Can aus ihrem neuen Lyrik­band „Kinder der ver­lore­nen Gesellschaft“. Die aus­gewählten Texte han­del­ten von Ver­let­zung und Hoff­nung, von der Sehn­sucht nach Frieden, die auf die harte Real­ität trifft, von der Liebe und ihrer Zer­brech­lichkeit. Werke – wie die ihrer Schü­lerin­nen und Schüler – zum Ein­tauchen.

Die Lauter­bach­er Dich­terin­nen und Dichter sind:

Mar­lene Aev­er­mann, Char­lotte Deuchert, Lot­ta Gohlke, Ilka Kötzschau, Emma Lang­stein, Emelie Mithin, Catha­ri­na Pilz, Melin­da Utke, Anna­maria Weber, Alexan­dra Wink und Lennart Zink.

Safiye Can (3. von rechts, vordere Rei­he) inmit­ten ihrer Dich­terin­nen und Dichter.