23 Jan

Literarischer Abend / Groß Gerau

Freitag, 23.01.2014
Literarischer Abend: 19 h — ca 21h / Martin-Buber-Schule
Autorin Safiye Can (liest aus ihren Werken) und ihre Schüler (Jg. 10) aus den Schreibwerstätten präsentieren an diesem Abend literarische Texte auf der Bühne.

Zur Zeitung: Mein Echo

Der Abend der jungen Dichter
Martin-Buber-Schule – Am Ende der Kulturwoche treffen sich die Schüler in der Aula zur Ergebnispräsentation
Die Achtklässlerinnen Beneta Rexhaj (rechts), Nina Schaffner (links) und Viktoria Lopp zählten zu den Schülerin, die zum Abschluss der Kulturwoche an der MBS aus ihren Gedichten vorlasen.  Foto: Alexander Heimann
Der literarische Abend mit Gedichten von Schülern ist das Schmuckstück der Kulturwoche der Martin-Buber-Schule. Am Freitag ging der fünftägige Austausch in 74 Workshops mit namhaften Künstlern zu Ende. Großen Beifall gab es für die Lyriklesung.
GROSS-GERAU.
Es war eine kreative, spannende Unterrichtswoche, versicherten Schüler, die am Freitagabend die Aula der Martin-Buber-Schule (MBS) bevölkerten. „Wertungsfrei wurden vielerlei Kunstformen nähergebracht und ausprobiert – mit namhaften Autoren in Workshops, beim Atelierbesuch der Künstlerin Zoya Sadri, durch professionelle Theaterpräsentation und Diskussion“, umschrieb Wibke Saar-Tebati als Mitorganisatorin des Lehrerkollegiums die Palette der insgesamt 74 Angebote für alle Klassenstufen. Nun stand der Abschluss der Kulturwoche bevor. Dabei wurden die Ergebnisse der Literaturzirkel, angeleitet von der Lyrikerin Safiye Can und Schulschreiber Nevfel Cumart, präsentiert.
Der literarische Abend ist unser Schmuckstück“, begrüßte Barbara Schuster, Pädagogische Leiterin der MBS, die Zuhörer. Neben Schulleiter Philipp Stannarius hatte Birgit Wiegand-Knauf als Vertreterin des Schulamts Platz genommen, bekundete Interesse am Schulgeschehen über die Verwaltung hinaus. Gemeinsam mit Lehrern und Eltern lauschten Schüler aller Klassen den gelungenen Gedichten, die mutige Mitschüler auf dem Podium vortrugen. Denn nicht jeder, der während der zweiten MBS-Kulturwoche an Schreibworkshops teilgenommen hatte, mochte das Ergebnis präsentieren. Lyrik als literarische Gattung beinhaltet mehr als jede andere, sich preiszugeben, setzt subjektives Erleben in Sprachbilder um.
Dass die Schüler unserer Workshops allesamt aufgeregt sind, lässt heute Abend auch mein Herz schneller schlagen. Zum ersten Mal tragen sie Gedichte vor Publikum vor. Ich bin sehr stolz auf sie“, bereitete die deutsch-türkische Lyrikerin Safiye Can den jungen Dichtern den Boden. Lehrer Christopher Gozeff schuf mit Barockgitarre lyrische Atmosphäre, ließ mittelalterliche Melodien anklingen.
Der Himmel rief: Weine, mein Kind – und es kam der große Regen“ lauteten die Verse einer Achtklässlerin, die den Auftakt machten und im Saal eine Aufmerksamkeit erzeugten, die Wertschätzung für das Gewicht der Worte erkennen ließ. Applaus galt allen Schülern, die sich auf Ausdruckssuche gemacht hatten. Wer meint, Jugend komme unbedacht und lautstark daher, wurde bekehrt: Erstaunlich war das Gespür für die Fragen des Seins hinter Floskeln, die Leere und Ratlosigkeit bemänteln. „Der Krieg schmeckt bitter auf der Zunge“ oder „Machttrunken ist die Seele ertrunken“ waren Verse von Zehntklässlerinnen, die eine intensive Auseinandersetzung verrieten.
Das „Bravo“ galt Michelle und Nadja, Nina, Benita und all die anderen, die Angst, Einsamkeit, Zuneigung und Lebenslust thematisierten. Persönliches wurde teils unverschnörkelt transportiert: „Mama, ich liebe dich mehr als mich, denn ohne dich existierte ich nicht.“ Es waren mehrheitlich Mädchen, die vorlasen – Leon, Alessio und Daniele aber gehörten zu den Jungs, die pubertäres Kichern in hinteren Zuhörerreihen schnell verstummen ließen: Sinnlosen Mord, Krankheit, Tod und Liebe verbalisierten sie: „Du bist mir so nah und doch so fern, du hast den Kampf verloren – der Tod ist nicht fair.“
Aufgelockert durch die Klänge der Barockgitarre, entfaltete der Abend bemerkenswerte lyrische Blüten. Freilich trugen dazu auch die anleitenden Autoren Safiye Can und Nevfel Cumart bei. Sie achteten jedoch sensibel darauf, primär die jungen Talente ins Licht zu setzen.